Hassi
Nicht in der Gesamtheit dieses Forums oder lediglich nicht in diesem Unterforum, aber vielleicht im No-Spam Bereich?
gamerphil
Naja die gesamte Aussage vom Gzuido kann man schlecht leugnen, schliesslich gibt es sehrwohl auch Hartz4 Schmarotzer... Dass die an den galgen gehören, ist ja wohl mal klar.
one
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Original von Hassi am 02. März 2010, 14:21 Uhr
Nicht in der Gesamtheit dieses Forums oder lediglich nicht in diesem Unterforum, aber vielleicht im No-Spam Bereich?
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Ich wusste nicht, wohin mit dem Thema und ich habe ja auch "nur" ein Video gepostet. Da kann man anfangs schlecht einschätzen, wohin die Diskussion führen wird und so landete es (da noch passend) im OffTopic. Nospam ist eine gute Idee; ich werde das Thema entsprechend rüberschubsen.
loki
Nicht schon wieder. Sollte eine Diskussion über diesen Kasper losgetreten werden sperr mich bitte 14 Tage.
Danke @one!
Mia
| Zitat: |
Original von guennili am 02. März 2010, 07:59 Uhr
Die Propaganda wirkt ... |
Leider.
Obwohl diesmal nicht mal die BILD mitmacht.
Wie ich schon sagte, ist das Ganze für mich eine Hetzkampagne. Sowohl um vom Versagen der Politik abzulenken, als auch die Bevölkerung gegen einander aufzuhetzen.
Wie man schon hier im kleinen sieht, funktioniert das.
Aber genau den Gefallen sollte man dieser Lobby nicht tun, darauf einzusteigen. Weder in die eine noch in die andere Richtung.
gamerphil
Ist Ignorieren also die Devise?
Mia
Nein natürlich nicht. Jeder sollte seine Meinung haben und auch vertreten, aber ohne irgendeine Wut gegen die "Gegenseite" zu entwickeln.
gamerphil
Ja das stimmt, hat Hassi ja auch schon angesprochen. bei manchen könnte man meinen, sie wären einfach Anti Guido, egal wieso.
Mia
So mein ich das nicht. Ich bin ganz entschieden gegen Guido!
Aber ich hab deswegen nix persönlich gegen jemanden der Pro ist.
Man darf sich einfach nicht aufhetzen lassen. Sonst haben wir hier irgendwann bürgerkriegsähnliche Zustände.
Arbeiter vs. Arbeitslose, Reich gegen Arm, Pro/Contra Westerwelle, User gegen User.
Dagegen sollte man sich wehren!
Hassi
Nun denn,
zunächst etwas zu meiner grundsätzlichen, politischen Couleur. Ich bin bunt und überlege vor jeder Wahl erneut, wo meine Stimme am wenigsten Schaden oder am meisten Nutzen (das dürft ihr euch aussuchen) anrichten kann, da es kein Parteiprogramm gibt, was mich in Gänze oder so einem grossen Prozentsatz anspräche. Ich kann sehr wohl einzelne Aussagen eines Münteferings gutheissen, kann aber nichts von dem Gedankengut eines Beck teilen. Ich bin unendlich genervt noch bevor jemand wie ein Pofalla den Mund öffnet, habe mich aber in meiner Einstellung in manchen Aussagen eines Kohl damals wiedergefunden. Und die FDP, nun, ich kenne Herrn Hirsch persönlich und ich mochte vieles von dem eines Genschers, aber wenn ich aktuelle Vertreter wie einen Westerwelle erlebe und auch viele seiner Ansichten, dann ist auch die FDP nicht meine Partei. Ähnlich verhält es sich mit Abgeordneten der Grünen oder der Linken.
Neben meinen persönlichen Sym- und Antipathien versuche ich aber auch immer wieder möglichst wertneutral - und das fällt mir manches mal schwer - aktuelles Geschehen und die Stimmen der Politik dazu zu sortieren. So tat ich das auch bei den Aussagen eines Guido Westerwelle, der wahrlich nicht auf den vorderen Rängen meiner persönlichen Politikercharts steht. Da aber genau dieser Herr und seine Aussagen hier der Anlass zur Diskussion sind, fokussieren wir uns mal darauf.
Wenn es um die Gesamtheit der von Westerwelle gemachten Aussage geht, bin ich indifferent. Einen Teil seiner Wortwahl, insbesondere Äusserungen über Dekadenz und Co. finde ich unangebracht. Zudem ist seine Form der Polemik nichts, womit ich schon häufig etwas hätte anfangen können. Ja und dann stehen da noch so Aussagen im Raum, dass sich Leistung wieder lohnen muss und andere Formulierungen, die ich zumindestens als ungeschickt erachte. Herr Westerwelle macht sich sein politisches Leben selber unnötig schwer. Er versucht und nimmt für sich in Anspruch Klartext reden zu wollen, auf der anderen Seite packt er diesen Klartext in solche unpassenden Worthülsen, dass sie schnell so manchen Hörer oder Leser auf die Palme bringen können.
Wie komme ich aber nun dazu, dass ich trotzdem mit der Kernaussage eines Westerwelle sympathisieren kann? Zunächst einmal muss man diese immense Wortverpuffung auf den Kern reduzieren und weniger voreingenommen an den Inhalt gehen. Das kann man, wenn man es möchte, als User, als Arbeitsloser, Beschäftigter, Armer oder Reicher ohne sich dabei oder im Verlauf zoffen zu müssen. Ich kann das jedenfalls; ihr auch? Eure Reaktionen werden es sicher zeigen.
Damit aber nicht wie üblich die Hälfte der Leser auf halber Strecke bei mir einschläft, konstruieren wir mal einfach ein Beispiel oder 2 oder 3 (mal sehen):
Ein Berufskraftfahrer im Fernverkehr mit Frau (beide im mittleren Alter z.B. zwischen 35 und 45) und 2 Kindern sieht seine Familie, wenn es gut für ihn ausgeht, vielleicht einen eventuell 2 Tage am Wochenende, vielleicht aber auch mal 10 Tage gar nicht. Für seine Arbeit wird er branchenüblich vergütet. Seine Lebensqualität, die sich an Gehalt, Zeit mit seiner Familie und Kindern, Freizeit, Beziehungsstabilität und sonstigen Arbeitsbedingungen ausmacht, ist mittel bis niedrig.
Ihm gegenüber halten wir auch eine vierköpfige Familie, gleiche Altersstruktur, Vater und Mutter erwerbslos (arbeitswillig, nehmen regelmässige Jobangebote vom Arbeitsamt wahr), Bezug von Arbeitslosenleistungen inkl. dem, was für die 2 erziehungspflichtigen Kinder, der Mietwohnung und anderem vom Staat gewährt wird. Im Grossen und Ganzen erzielen diese 4 Köpfe ein Einkommen, welches sich in einer ähnlichen Summe niederschlägt wie die des vorgenannten Berufskraftfahrers. Die Rechnung für Lebensqualität zeigt aber hier, dass nur aufgrund einzelner Faktoren, und sei es nur die Zeit für Familie und Kinder, dass die erwerbslose Familie durchaus Vorteile hat.
Nun kommt der Guido daher und meint, Leistung soll sich wieder lohnen. Wie würdet ihr entscheiden? Sollten sie Gehaltsstrukturen ähnlich bis identisch sein oder sollte man davon ausgehen, dass jemand, der weit über eine 50 Stunden Woche arbeitet, doch eigentlich höhere Bezüge haben müsste als der, der erwerbslos ist? Ich würde schon meinen, dass hier eine finanzielle Diskrepanz vorliegt.
Oder fragen wir den Erwerbslosen aus vorgenanntem Fall, der Arbeit sucht, aber derzeit keine erhält. Angenommen er würde wieder eine Vollzeitbeschäftigung erhalten, würde er nicht auch erwarten, dass sich seine finanziellen Verhältnisse deutlich verbessern, wenn er wieder erwerbstätig ist? Ich denke schon.
Aber wie lässt sich sowas realisieren? Nun, es gibt eigentlich genau 2 mögliche Szenarien, die bei dieser vermeintlichen Ungleichberechtigung Abhilfe schaffen können. Szenario 1 ist eine Reduzierung der Bezüge, die Erwerbslose erhalten. Wir alle wissen aber auch, dass der Satz ohnehin recht dürftig bemessen ist. Szenario 2 ist eine deutliche Anhebung bzw. Schaffung von Mindestlöhnen über alle Branchen, aber selbst das ist nicht so einfach. Wo man also auch immer anfasst, es droht unpopulär zu werden. Unpopuläre Entscheidungen bringen das Volk auf den Plan. Alle Schichten, alle Bildungsniveaus, die Vera-am-Mittag Glotzer und Gala Leser und auch die Studierten und Promovierten, einfach jeden. Die, die gewohnt sind, nur in dicken Schlagzeilen zu konsumieren, sind schnell dabei zu verurteilen, die, die sich auch mit trockener, für die meisten uninteressanter Politik auseinandersetzen, lernen zu differenzieren. Die Ergebnisse sind völlig unterschiedlich und daraus entsteht Spannung, wenn diese Bevölkerungsgruppen aufeinandertreffen.
Man konnte gerade bei Reaktionen der Bevölkerung im Fernsehen gut ablesen, welches die Schlagzeilenklientel ist und was wiederum die sind, die sich eindringlicher beschäftigen. Vielleicht haben auch manche von euch ein paar Stimmen im Fernsehen aufschnappen können und entweder mit im Chor eingestimmt oder sich selber damit auseinandergesetzt.
Da schreit der erwerbslose 55 jährige, dass ihm der Guido noch mehr an den ohnehin dürftigen Geldbeutel will. Genau der hat es nicht verstanden, genau das ist keine Klientel, die Herr Westerwelle anspricht. Jeder, auch ein Guido weiss, dass Menschen in diesem Alter oder knapp drüber und drunter kaum noch Chancen auf eine Vollbeschäftigung haben, erst recht nicht, wenn sie lange erwerbslos sind.
Auf der anderen Seite gibt es aber eben auch die und die meint der Herr Westerwelle, die eben nachweislich nicht (und der Nachweis ist nicht schwer) bemüht sind, wieder eine Anstellung zu bekommen, weil sie mit den Leistungen des Staates zufrieden sind. Sei es, weil es eine grundsätzliche Weigerung gibt in einem Berufsbild zu arbeiten, was nicht dem Bildungshorizont entspricht oder sei es aus welchem Grund auch immer. Mein Cousin, zu dem ich einen sehr guten Draht hatte bevor er starb, war sowohl damals lange Jahre in der Bezugsstelle für Sozialhilfeempfänger und später eben auch für Arbeitslosengeldbezieher; die die HartzIV, ALGII o.ä. erhielten. Es gibt genug, weit mehr als sich einer vorstellen mag, Bezieher von Staatsleistungen, die hunderte von Jobangeboten hatten, aber nie einen Job annahmen und trotzdem jahrelang Leistung bezogen - ja, das geht recht gut. Ich frage mich nun im Ton eines Guidos, ob man nicht doch überlegen muss, diese Leute noch weiter zu sanktionieren? Oder ist das die Erwerbslosenklientel, die ihr unterstützt, die ihr gutheissen könnt?
Ich möchte weiss Gott nicht den Aussagen eines Herrn Westerwelle einen Persilschein ausstellen, aber ich würde mir mehr Differenzierung, mehr Auseinandersetzung damit wünschen. Selbst ich, jemand der Herrn Westerwelle nicht mag, mache das, vor allem weil es mich jederzeit betreffen kann, meine Freunde oder Kollegen. Politik kann, wenn man es möchte, interessant sein, interessanter jedenfalls als nur die wichtigsten Phrasen daraus aufzuschnappen und zu dreschen bis der Stammtisch bricht.
Danke für das Lesen
Hassi
Noone
Hasi, Du schreibst endlich wieder ... beissender Spot ...
Mia
Ich kann da manches unterschreiben, z.B. gibts für mich auch keine Partei, hinter der ich stehen könnte. Und ich bin wieder mal an dem Punkt angelangt, dass ich überhaupt nicht mehr wählen werde, denn man bekommt eh immer das, was man am wenigsten will. Ob das richtig oder falsch ist, ist mir egal.
Aber das ist eigentlich ein anderes Thema.
Zu Westerwelle...
Das ist nicht nur die Antipathie. Ich kann auch keine seiner Aussagen gut heissen.
"Leistung muss sich wieder lohnen", sowas kommt immer gut. Aber Harz IV zu kürzen ist definitiv das Falsche. Es muss andersrum gehen, nämlich dass man von Arbeit wieder leben, sogar realtiv gut leben kannn.
Was hab ich als Niedriglohnbezieher davon, wenn man der alleinerziehenden Mutter, die mit den zwei Kleinkindern nicht arbeiten kann, noch das Existenzminmum kürzt?
Richtig, gar nix!
Du sprichst von Differenzierung, Hassi und genau das wär nötig. Aber genau davon redet Herr Westerwelle nicht.
Egal ob 20 Jahre gearbeitet, wirklich arbeitssuchend, Facharbeiter was weiss ich, wenn er sich weigert Schnee zu schippen, wird gekürzt.
Das mit dem Schneeschippen war ja sowieso wieder mal eine Glanzidee. Da braucht er sich auch nicht wundern, wenn gewisse Vergleiche gezogen werden. Wie gestern auf dem Nockerberg
Link
Aber der absolute Abschuss ist, das der Gute die Taliban resozialisieren will.
Dafür hat man anscheinend Geld.
Wie dumm und naiv kann man eigentlich sein?
[hunter bob]
@Hassi
Vielen Dank für diesen sehr ausführlichen und persönlichen Bericht. Ich finde es gut, dass jemand, der sich jetzt nicht als FDP-Wähler bezeichnet, mit den Aussagen Westerwelles auseinandersetzt und versucht, diese auch richtig zu verstehen.
| Zitat: |
Original von Hassi am 04. März 2010, 15:29 Uhr
Ich möchte weiss Gott nicht den Aussagen eines Herrn Westerwelle einen Persilschein ausstellen, aber ich würde mir mehr Differenzierung, mehr Auseinandersetzung damit wünschen. |
So sehe ich das auch! Aber viele tun dies leider nicht. Viele suchen bei Äusserungen von unliebsamen Politikern sofort, ohne vorher genau zu lesen und zu differenzieren den verbalen Gegenschlag.
Ich hatte es in einem anderen Forum (vielen hier bekannt

) schon geschrieben: Westerwelle spricht hier Punkte an, die polarisieren. Warum? Weil Westerwelle ausspricht, was viele Einzahler in die Sozialkassen denken und viele Empfänger von Sozialleistungen fürchten. Genau hier wird er aber falsch verstanden. Du, Hassi, hast es ja geschrieben: Nicht die Harz-IV-Empfänger im Allgemeinen werden angegriffen, sondern eben die Minderheit, die das Sozialsystem ausnützt und damit die Allgemeinheit betrügt.
Die grosse Frage ist und bleibt: Wie viel Sozialstaat können, wollen und sollen wir uns leisten?
Liebe Grüsse,
hunter
Mia
Jetzt sollte man Hartz VI noch mehr kürzen um Griechenland unterstützen zu können, danach vielleicht noch Portugal, Spanien usw.
[hunter bob]
Italien und Irland nicht zu vergessen... Vielleicht sollte man mal durchrechnen, ob es nicht billiger wäre, die Staaten pleite gehen zu lassen und aus der Euro-Zone auszuschliessen...
Noone
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Original von [hunter bob] am 01. Mai 2010, 00:46 Uhr
... ob es nicht billiger wäre, die Staaten pleite gehen zu lassen und aus der Euro-Zone auszuschliessen... |
Das gerade wäre die Gefahr. Staatsbankrott eines €urostaates? Da möchte ich wirklich nicht dran denken.
Parole der FDP: Leistung muss sich wieder lohnen!
Dabei geht es natürlich um die "Leistung"-sträger in der oberen Chefetage, und nicht um den LKW-Fahrer, der bis zur Erschöpfung knechtet, dafür seine Gesundheit ruiniert, und mit 50 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand geht.
Wie hoch stiegen die Gehälter und Boni der Manager in letzter Zeit?
Missmanagement? Da lass ich mir doch mal einfach 20 Millionen Pensionsgeld auszahlen.
Machiavelli
Vermutlich war es vorher nicht klar, was passieren könnte, wenn Staaten aus der zusammengeschlossenen Eurozone kollabieren...
one
Doch, es war klar. Das ist ja einer der Knackpunkte. Das Wissen darum wurde einfach ignoriert. Jetzt stehen wir dumm da und kommen nicht mehr raus. Jedenfalls nicht alleine, denn dann werden wir boykottiert. Export ist am Ende und Einfuhrsteuern jenseits der Schmerzgrenze, wenn man alleine geht. Man müsste praktisch in der EU eine kurze Partnerschaft gründen und dann gemeinsam mit anderen autarken Staaten den Drecksladen geschlossen verlassen.
[hunter bob]
Ich bin ja für das "Europa der Regionen". Baden-Württemberg, Bayern, Südtirol und das Elsass aus ihren jeweiligen Ländern ausgliedern - und einen eignen Staat bilden. Das wär mal was...